EnEV wird um 25% verschärft

(Artikel aus Newsletter Wentzel Dr. November 2013)

Die Bundesregierung hat der vom Bundesrat mit zahlreichen Änderungen verabschiedeten EnEV 2014 zugestimmt. Diese Novellierung der EnEV 2009 führt zu einer Verschärfung der energetischen Anforderungen im Wohnungsneubau um 25% ab dem 1. Januar 2016. Für Energieausweise werden Energieeffizienzklassen eingeführt. Im Bestand müssen ab 2015 konventionelle Heizkessel, die älter als 30 Jahre sind, ausgetauscht werden. Bereits auf der Expo Real in München hatten die Immobilienverbände vor dieser Entscheidung – sowie weiteren Regulierungen – gewarnt.

 

Regulierungen „durch die Hintertür“ lehnt Andreas Mattner, Vorsitzender des BID, ab.

„Die Menschen haben Regulierung und Steuererhöhung abgewählt“, erklärte Andreas Mattner, Vorsitzender der BID Bundesarbeitsgemeinschaft Immobilienwirtschaft Deutschland und Präsident des ZIA Zentraler Immobilien-Ausschuss, auf der Expo Real in München, „und die brauchen wir jetzt auch nicht durch die Hintertür einzuführen.“ Zur Regulierung zählt auch die Verschärfung der Energieeinsparverordnung (EnEV) durch die EnEV 2014, die am 11. Oktober mit einigen Änderungen vom Bundesrat verabschiedet wurde und der die Bundesregierung am 16. Oktober ihren Segen gab.

Ab dem 1. Januar 2016 muss der Primärenergieverbrauch im Wohnungsneubau um 25% reduziert werden. Mit dieser Entscheidung hat der Bundesrat zwar die Verschärfung der EnEV um zwei Jahre verschoben, doch dafür in einem großen Schritt umgesetzt.

Preiswerter Wohnungsbau unmöglich

Schon im Vorfeld hatten die Immobilienverbände die geplante Verschärfung kritisiert. „Die Anforderungen an die energetische Qualität eines Gebäudes bringen hohe Investitionskosten mit sich, die eine zusätzliche Bremse für den dringend benötigten Neubau darstellen können“, warnt Jens-Ulrich Kießling, Präsident des IVD. Die Erhöhung der energetischen Anforderungen mache die Schaffung preiswerten Wohnraums unmöglich.

Nach Berechnungen des GdW Bundesverband deutscher Wohnungs- und Immobilienunternehmen erhöhen sich die Wohnungsbaukosten durch die nun beschlossene Verschärfung um bis zu 8% – wie auch die Mieten. Der zusätzliche Kostenaufwand liegt nach GdW-Zahlen bei 180 Euro/m2.

Mattner verweist auf ein Gutachten des Bundesbauministeriums, wonach mit der jetzigen Verschärfung „die Schwelle zur Unwirtschaftlichkeit überschritten wird“.

Energieeffizienzklassen intransparent

Mit der EnEV 2014 wurde ebenfalls die Einführung von Energieeffizienzklassen in der Energieausweis beschlossen – ähnlich, wie bei Waschmaschinen oder Kühlschränken. Diese Information muss ab etwa Mitte 2014 auch in kommerziellen Immobilienanzeigen auftauchen – samt Angaben zur Befeuerungsart und zum Baujahr des Gebäudes.

„Eine erhöhte Transparenz für Wohnungssuchende wird durch Energieeffizienzklassen nicht gewährleistet“, erklärt Kießling. „Allein durch die hohen Preisunterschiede der Energieträger kann keine Vergleichbarkeit entstehen.“ So könne ein gasversorgtes Gebäude mit der Effizienzklasse D die gleichen Energiekosten haben wie ein fernwärmeversorgtes Gebäude mit der Effizienzklasse B.

Stärkere Förderung der Modernisierung

Für Bestandsbauten gibt es mit der EnEV 2014 keine direkten Verschärfungen beim Primärenergieverbrauch. Allerdings müssen ab 2015 konventionelle Heizkessel, die älter als 30 Jahre sind, ausgemustert werden. Zudem soll sich die Dämmpflicht für zugängliche, oberste Geschossdecken künftig an der DIN-Baunorm an den Mindestwärmeschutz von Außenbauteilen orientieren. Und kommen Eigentümer den Nachrüstpflichten im Bestand nicht nach, wird künftig ein Bußgeld fällig.

Obwohl die EnEV-Novellierung im Bestand keine direkten Verschärfungen vorhandener Pflichten vorsieht, fordert Kießling eine stärkere Förderung energetischer Sanierungen, um über die derzeitige jährliche Sanierungsquote von 1% hinauszukommen. „Die neue Bundesregierung muss eine Lösung für eine steuerliche Abschreibung von energetischen Sanierungsmaßnahmen finden, da diese effizient und unbürokratisch umsetzbar ist.“

Vorbild Hamburg

Zwar votierten die auf der Expo Real versammelten Chefs der im BID vereinigten Immobilienverbände nahezu ausnahmslos für die Große Koalition, warnten jedoch ebenso einhellig etwa vor der Mietpreisbremse, mit der SPD wie auch die CDU in den Wahlkampf gingen.

„Es ist zu befürchten, dass sie kommt“, so Walter Rasch, Präsident des BFW Bundesverband Freier Immobilien- und Wohnungsunternehmen. „Sie wird langfristig die Refinanzierung der Immobilien gefährden. Der Staat heizt die Kosten an und will, dass die Miete günstiger wird. Es werden zu wenig Mietwohnungen gebaut, weil der Staat keine Anreize setzt – anders, als etwa Olaf Scholz in Hamburg.“

Auch Kießling fand freundliche Worte für die Wohnungsbaupolitik Hamburgs. „Ich kann alle Städte nur auffordern, es Hamburg nachzumachen.“ Es gebe keine Wohnungsnot und daher auch keine Notwendigkeit für regulatorische Maßnahmen. „Das ist populistisches Gerede. Wenn ihr uns die Gelegenheit nehmt, unser Kapital vernünftig zu verzinsen, dann ziehen wir uns vom Markt zurück.“

Kommentieren ist momentan nicht möglich.