1A-Einzelhandelsflächen in Hamburg sehr begehrt

Quelle: Aktualisierter Artikel aus dem Gewerbeimmobilien Newsletter Januar 2012 von Wentzel Dr.

Der Hamburger Einzelhandel jubelt: 2011 war das beste Jahr seit der Wiedervereinigung. Der stetig zunehmende Strom an Touristen, die niedrigste Arbeitslosigkeit seit fast 20 Jahren und die Investitionen in die Einkaufslagen durch BIDs beflügeln das Interesse der Einzelhändler wie Käufer.

Das adidas-Jugendlabel Neo hat in der Alten Post eröffnet.

Das Musical Rocky startet 2012 in Hamburg und Stage Entertainment baut für ein weiteres Musical eine neue Spielstätte im Hafen – Hamburg ist der weltweit viertgrößte Musicalstandort nach New York, London und Wien.  Das breite Musicalangebot trägt zum stetig wachsenden Strom von Touristen nach Hamburg bei.

9,5 Mio. Übernachtungen wurden 2011 in Hamburg gezählt: doppelt so viel, wie 2001 – und davon profitiert insbesondere der Einzelhandel.Nach dem aktuellen Hotelmarktbericht Hamburg von Deloitte wurden 2010 46% des touristischen Umsatzes von 7,4 Mrd. Euro beim Shoppen ausgegeben.

2% Umsatzwachstum

Die Hamburger Einzelhandelsverbände zeigten sich nicht nur vom Weihnachtsgeschäft angetan und erwarten für 2011 ein Umsatzwachstum von 2% – das beste Ergebnis seit der Wiedervereinigung. Zum guten Ergebnis trägt neben dem Wachstum aus dem Tourismus auch die stabile wirtschaftliche Situation in Hamburg bei. Mit 7,3% erreichte die Arbeitslosenquote Ende 2011 das niedrigste Dezemberniveau seit 1992. Über 10 Mrd. Euro betrug der Gesamtumsatz des Hamburger Einzelhandels im vergangenen Jahr.

330.000 m2 Verkaufsfläche

Als Magnet nicht nur für Touristen fungiert die Hamburger City mit 330.000 m2 Verkaufsfläche in der City-Ost und -West. Die östliche Innenstadt wird von Spitalerstraße und Mönckebergstraße geprägt, mit ihren großen Kaufhäusern und den Flagship-Stores der etablierten Fashion-Filialisten. In der City West befindet sich rund um den Neuen Wall Hamburgs traditionell die Luxus- und Niveaulage. Doch ziehen die Lagen am Jungfernstieg, Poststraße oder Große Bleichen zunehmend auch gehobene Monolabel-Läden bekannter Modemarken an.

BIDs wirken

Insbesondere die City-West hat ihr Erscheinungsbild in den vergangenen fünf Jahren deutlich gewandelt. Erheblichen Anteil an der sichtbaren und wirksamen Verbesserung der Infrastruktur haben die zahlreichen Business Improvements Districts (BID), die in Hamburg seit Einführung im Jahr 2005 eine Durchschlagskraft entfalten, wie in keiner anderen deutschen Metropole. Nachdem am Neuen Wall im Rahmen des ersten BID zwischen 2005 und 2010 die Straßenführung, Pflasterung, Beleuchtung und Möblierung erneuert worden waren, läuft hier nun das zweite BID an mit Schwerpunkten beim Service und Marketing.

Luxus boomt

Auch der Bereich Hohe Bleichen etablierte sich mit einem BID sichtbar als Luxuslage. Armani und Prada etwa sind hier zu finden. Das Geschäft mit edlen Stoffen, teuren Uhren und kostspieligen Parfüms boomt in Deutschland – auch als Kapitalanlage. Nach einer Studie der Managementberatung Bain & Company wird in diesem Segment 2011 ein Umsatzwachstum um 7% auf knapp 9 Mrd. Euro erwartet.

Dabei profitiert die Stadt an Alster und Elbe zunehmend von internationalen Shopping-Touristen. Araber und Russen sind bereits jetzt gern gesehene Kunden  zwischen Hohe Bleichen und Jungfernstieg. Mittelfristig erwartet das Beratungsunternehmen Dr. Lübke zudem 100.000 Übernachtungen – meist – wohlhabender Chinesen in Hamburg.

BID Passagenviertel

Die internationalen Touristen wie die internationalen Filialisten wissen die Aufwertung des Straßenraumes durch BID wohl zu schätzen. 2,1 Mio. Euro investiert der im April 2011 gestartete BID Opernboulevard und der im August 2011 offiziell eingerichtete BID Passagenviertel plant, über 5 Mio. Euro in die Pflaster, Möblierung, Beleuchtung, Districtmanagement und Service zu investieren. Der portugiesische Granit auf den nun breiteren Gehwegen ist bereits verlegt.

„Alte Post“

Das Passagenviertel an Poststraße und Große Bleichen profitiert von zwei Großinvestitionen. Die „Alte Post“, 1845 bis 1847 im Stil der Renaissance errichtet, wird nach Entkernung und Neuentwicklung seit Ende 2011 ladenweise eröffnet. Tommy Hilfiger ist bereits  im November 2011 eingezogen. Im Frühjahr folgten Abercrombie & Fitch sowie adidas mit dem ersten deutschen Laden des Labels Neo, die insbesondere Erstshopper ansprechen möchte, die ihre Einkaufsoptionen vor Ort gleich bei Facebook posten können.

Neu: Hallhuber und Sandro

Den von Tommy Hilfiger verlassenen Laden in der Poststraße 14 arrondiert das Münchner Modelabel Hallhuber. In der Poststraße 36 zieht im Frühjahr die Pariser Modemarke Sandro ein. Umgebaut wird derzeit im Weiteren das Kaufmannshaus – der 1. Bauabschnitt ist bereits eröffnet – und die Passage Hanseviertel. Hier eröffnete zu Jahresbeginn die Outdoormarke The North Face.

„Kaisergalerie“ und „Stadthöfe“

In diesem Jahr soll der Umbau des früheren Ohnsorg-Theaters in der Großen Bleichen zur „Kaiser-Galerie“ starten – mit über 3.500 m2 Ladenfläche. In den Großen Bleichen 5 hat Zara Home einen ihrer weltweit größten Shops eröffnet. Ein sehr großes Projekt am Horizont sind zudem die  „Stadthöfe“, die ab 2013 nach Auszug der Stadtentwicklungsbehörde Richtung Wilhelmsburg an der Stadthausbrücke entstehen sollen. Bereits jetzt hat sich auch der obere Teil des Neuen Walls als Edelstandort etabliert. Burberry ist in die Nummer 71 eingezogen. Gant und Lacoste haben Flächen gefunden und das italienische Modelabel Bottega Veneta bezieht 400 m2 im 63grad – dreimal soviel, wie am vorigen Standort im Neuen Wall 22, in den sich nun Cartier erweitert.

Apple Store eröffnet

Die Eröffnung des Jahres am Jungfernstieg ist der Apple Store unweit des Alsterhauses. Hier wird inzwischen die stärkste Kundenfrequenz in der City-West verzeichnet. Auf dem Wege, sich als Jugendstandort zu etablieren, ist der Gänsemarkt. Neben Planet Sports und dem Multibrandlabel Urban Outfitters im Gänsemarkt 45 bezieht das britische Streetwearlabel Superdry im Frühjahr die Gänsemarktpassage – spürbare Konkurrenz für die Spitaler und Mönckebergstraße.

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