Archiv für November 2009

Investoren für die IBA-Wohn- und Büroprojekte auf der Elbinsel Wilhelmsburg gesucht

Aus: Gewerbeimmobilien Newsletter Wentzel Dr. – Oktober 2009

Aus der Planungsphase muss die Internationale Bauausstellung in Hamburg-Wilhelmsburg nun in die operative Phase kommen. Auf der Expo Real ist die IBA mit einem Immobilien-Portfolio vertreten, das Grundstücke für Wohn- und Büronutzungen mit einer Fläche von 90.000 m2 BGF enthält. In den nächsten Monaten zeigt sich, ob es der IBA gelingt, Wilhelmsburg als Investitionsstandort zu etablieren.

So könnte ein Smart-Material-House aussehen - oder anders.

So könnte ein Smart-Material-House aussehen - oder anders.

Es wird ernst für die IBA. In vier Jahren um diese Zeit hat die Internationale Bauausstellung im Gleichschritt mit der Internationalen Gartenausstellung (IGS) bereits den größten Teil ihres Programms hinter sich. So hat die IBA unter Leitung ihres Geschäftsführers Uli Hellwig in diesem Jahr mit der Vermarktung von Grundstücken begonnen. Neben der Finanzbehörde kommt daher auch die IBA mit einem Immobilienportfolio auf die Expo Real. Mehr als 40.000 m2 Grundstücksfläche mit einem Baupotenzial von 90.000 m2 BGF sollen veräußert werden. Das ist ein ehrgeiziges Unterfangen. Um die in Jahrzehnten gewachsene Skepsis der Hamburger nördlich der Elbe gegenüber der sozial wenig adäquaten und von Verkehrstrassen zerschnittenen Elbinsel zu erschüttern, braucht es mehr als ein gut gefülltes Marketing-Budget.

„Balance City“

Inzwischen wird Wilhelmsburg unter Hamburger Immobilienexperten immerhin eine „langfristige Perspektive“ eingeräumt – und im Reiherstiegviertel haben bereits einige Zinshäuser aus der Gründerzeit den Besitzer gewechselt. Doch bei den nun laufenden Ausschreibungen geht es um den Neubau von Wohnungen sowie Büro- und Dienstleistungsflächen. Hellwig zeigt sich mit der Resonanz auf das Interessebekundungsverfahren für die „Balance City“, die so genannte „Bauausstellung in der Bauausstellung“  zufrieden. Seit Ende Juni 2009 sind für die Haustypen Smart Technology House, Smart Price House, Hybrid House und Water House 65 Bewerbungen eingegangen – 18 davon aus Hamburg.

Die aus unterschiedlicher Perspektive innovativen Haustypen sollen am Eingangsbereich der IGS nahe der „Neuen Wilhelmsburger Mitte“ entstehen. Damit rücken sie unmittelbar in den Fokus der erwarteten drei Millionen IGS-Besucher. Neben international tätigen Bauunternehmen haben sich auch Fassaden-, Fenster- oder Baustoffhersteller mit Architekten gemeinsam mit neuen Konzepten um die Realisierung beworben. Inwieweit die Bereitschaft der IBA, die Risiken experimentellen Bauens bis zu einem gewissen Grad finanziell abzusichern, eine Rolle spielt, ist schwer zu sagen.

In jedem Fall werden die Projekte nicht im Höchstgebots-, sondern im Bestgebotsverfahren vergeben. So wird der Preis gegenüber den Kriterien Innovation, Nachhaltigkeit, Chancen und Risiken, hochbauliches und funktionales Konzept mit nur 20% berücksichtigt. Zu den Chancen und Risiken des Standortes Wilhelmsburg ist die ungewisse Infrastrukturplanung zu zählen. Die Verlegung der autobahnähnlichen Wilhelmsburger Reichsstraße, die aktuell das Gebiet der künftigen Neuen Mitte Wilhelmsburg beschallt, auf die östlich gelegene Bahntrasse ist noch offen und letztlich eine Entscheidung des Bundes.

In der Hand der Hamburger Politik hingegen liegt das Votum zum Umzug der Behörde für Stadtentwicklung und Umwelt (BSU) nach Wilhelmsburg. Das Ausschreibungsverfahren steht hier kurz vor dem Abschluss. Zudem ist das bisherige Domizil an der Stadthausbrücke bereits an Quantum Immobilien verkauft, die 2013 mit dem Umbau starten wollen.

Neue Büroflächen

Zur Expo Real bringt die IBA eine Reihe neuer zur Ausschreibung vorgesehener Projekte mit – darunter zahlreiche Bauvorhaben mit Büro- und Dienstleistungsflächen. An der Neuenfelder Straße, in direkter Nachbarschaft zur künftigen BSU sind insgesamt vier Gebäude vorgesehen, mit einer BGF von 26.000 m2 auf drei bis sieben Geschossen. Die anliegende BSU legt Büronutzungen nahe, doch  auch kulturelle, soziale und sportliche Zwecke sind erlaubt. Die Realisierung ist abhängig von der Verlegung des am Standort befindlichen Schwimmbades in den gegenüber geplanten Fitnesskomplex „Grüne Düne“.  Auch für dieses Objekt werden Investoren gesucht. 13.000 m2 BGF für Büro- und Dienstleistungsnutzungen sind in einem vier- bis fünfgeschossigen Riegel entlang der Georg-Wilhelm-Straße geplant. Die „Georg-Wilhelm-Höfe“ werden durch den dahinter liegenden Wohnungsbau (10.600 m2) für junge Familien gebildet. Der erste Bauabschnitt soll 2010 ausgeschrieben und begonnen werden.

In Harburg finden sich zwei weitere ambitionierte Projekte. Schon seit längerem ist auf der Schlossinsel Harburg ein gemischtes Quartier mit 10.000 m2 für Büro- und Dienstleistungsnutzungen sowie 5.000 m2 fürs Wohnen geplant. Im Oktober 2009 nun startet das Vergabeverfahren. Nachdem der Channel Harburg seit 15 Jahren als Büro- und Dienstleistungsquartier auf alten Hafenflächen der Hafencity den Weg weist, soll nun am Kaufhauskanal auch Wohnbebauung entstehen. Die Architekten der Bjarke Ingels Group (BIG) aus Kopenhagen hatten im April 2009 den Wettbewerb gewonnen.  Je 15.000 m2 für Wohn- und Büronutzungen sollen entstehen. Im Januar 2010 ist die Grundstücksausschreibung geplant.