Archiv für November 2008

Hannover: 500 Mio. Euro fließen in die City

Die hannoversche Innenstadt erfährt zurzeit einen Investitionsschub, wie seit der Expo 2000 nicht mehr. Über 500 Mio. Euro werden aktuell allein in größere Bauvorhaben investiert. Angestoßen oder forciert werden diese Projekte insbesondere durch den Bau der Ernst-August-Galerie der Hamburger ECE Projektmanagement. 230 Mio. Euro fließen am Hauptbahnhof in eine 30.000 m2 große Shopping Mall. Im Oktober 2008 wird die Mall mit 140 Läden eröffnet.

Die Ernst-August-Galerie der ECE ist seit dem 15.10.2008 geöffnet.

Die Ernst-August-Galerie der ECE ist seit dem 15.10.2008 geöffnet.

„Für viele Städte ist eine ECE-Ansiedlung ein Bedrohungsszenario“, illustriert Uwe Bodemann, seit dem Frühjahr 2008 Stadtbaurat in Hannover, die Reaktion auf die ECE-Ansiedlungsentscheidung im Jahr 2005. „In Hannover hingegen hat man den neuen Partner als Herausforderung schnell angenommen.“

Doch wer genau hinsieht, erkennt, dass weniger die Hannoveraner sich der Herausforderung für den innerstädtischen Einzelhandel gestellt haben, sondern dass die ECE auswärtiges Kapital angelockt hat. So nutzt etwa die Investorengemeinschaft Euroland Vermögensverwaltung/Wölbern Invest, ebenfalls Hamburg, das der Ernst-August-Galerie gegenüberliegende Grundstück des früheren Fernmeldeamtes zur Entwicklung des „Rosenquartier“. In Neubauten, aber insbesondere in den denkmalgeschützten Gebäuden des Fernmeldeamtes, entsteht für 50 Mio. Euro bis zum Frühjahr 2009 ein neues Geschäfts- und Büroquartier samt Hotel. Betrieben wird das Hotel als InterCityHotel mit 148 Zimmern, einem 220 m2 großen Tagungsbereich mit vier Konferenzräumen sowie einem Restaurant für 80 Gäste. Das Neubau- und Bestandsensemble entsteht nach Entwürfen der HPP Architekten.

Investitionen in die südliche City

Ein weiterer wichtiger Entwickler in der hannoverschen City kommt aus Düsseldorf. Die Centrum Grundstücksgesellschaft ist aktuell mit drei Investitionsprojekten aktiv. Am Ernst-August-Platz erwarb die Centrum das Haus Bahnhofsstraße 8, schräg gegenüber der ECE Ernst-August-Galerie. In den unteren beiden Geschossen des Gebäudes aus den 1950ern dümpelte die den neunziger Jahren eingerichtete Ernst-August-Markthalle mit zahlreichen internationalen Restaurants mehr recht als schlecht dahin. Centrum plant, hier internationale Modefilialisten anzusiedeln. Die Investitionen sollen sich auf etwa 60 Mio. Euro belaufen.

Gut 50 Mio. Euro werden aktuell in den Neubau eines Geschäfts- und Bürogebäudes zwischen Karmaschstraße und Großer Packhofstraße investiert. Der Entwurf des Braunschweiger Architekten Heiko Vahjen ersetzt das 50 Jahre alte Heutelbeck-Kaufhaus. Heller Naturstein rahmt die großformatigen Fenster in den 3.500 m2 großen Ladengeschossen wie auch die kleineren Fenster der 800 m2 Büroflächen.

In der Großen Packhofstraße baut zudem auch die Firma Görtz auf eigenem Grund ein neues Haus. Bis Oktober 2008 entsteht nach Entwürfen der Stuttgarter Architekten Blocher und Blocher und mit Anleihen von Ladenkonzepten aus Tokio und New York „Europa modernstes Schuhgeschäft“. In der Nachbarschaft verkleinert Investor Curzon Global Partner die Flächen des Salamander-Schuhgeschäftes zugunsten zweier zusätzlicher Ladenflächen.

Gerade die Investitionen in der Großen Packhofstraße, aber auch die öffentlichen Investitionen in die Aufwertung des Opernumfeldes, sollen innerstädtisch ein südliches Pendant zum immer stärker werdenden Bahnhofsumfeld schaffen.

Kröpcke-Center wird modernisiert

An der Schnittstelle aller hannoverschen Einkaufsstraßen steht das Kröpcke-Center. Der 1975 fertig gestellte braun geriffelte Betonturm hat die seit mehr als 10 Jahren laufenden Bemühungen und Konzepte um seine Verschönerung bisher unverändert überstanden. Sehr begrüßt wird daher in Hannover der Erwerb des Kröpcke-Centers ebenfalls durch die Centrum. Bis zu 200 Mio. Euro möchten die Düsseldorfer nun in den Umbau investieren. Die Filiale von Peek & Cloppenburg, seit langem Mieter der begehrten Lage, soll mit verdoppelten Flächen zum Weltstadthaus umgebaut werden. Wie genau das Kröpcke-Center künftig aussehen wird, stimmen die Investoren aktuell mit Stadtplanung und insbesondere mit den Anliegern ab.

Und wie Hannovers Innenstadt sich bis 2020 weiter entwickelt, soll in Workshops und Veranstaltungen ab dem Herbst 2008 geklärt werden. Bodemann: „Wir müssen dafür sorgen, dass die Stadt Hannover wieder von sich reden macht.“